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Steffen muss bleiben

Wie aus dem Nichts wurde der langjährige Fanprojektleiter Steffen Kluge von unserem Bürgermeister abgesägt. Noch unverständlicher ist die Begründung! 10 Jahre sind genug!

Sehr geehrter Herr Wiegand Sie scheinen die genauen Aufgaben eines Fanprojektes nicht zu kennen bzw. was für ein Fanprojekt wohl am wichtigsten für die Arbeit mit den Fans ist. Man nennt es VERTRAUEN und genau das hat sich Steffen in den letzten 10 Jahren in der Fanszene aufgebaut. Ohne dieses Vertrauen kann kein Fanprojekt der Welt seiner Aufgabe nachgehen!  Etwas was Steffen sich in mühevoller Kleinarbeit aufbauen musste und Jahre gedauert hat.

Nur gut das wir nach 7 Jahren auch zu Ihnen sagen können „7 Jahre sind genug“!

 

Was leisten Fanprojekte?

In vielen Projekten sind die Sozialarbeiter/-innen für die Fans zu wichtigen, anerkannten Gesprächspartnern geworden, mit denen man nicht nur gut reden kann, sondern denen auch die Kompetenz zugesprochen wird, bei Problemen und bestimmten Fragen zu helfen. Die überwiegende Mehrzahl der Fans, auch ein nicht unbeträchtlicher Teil der Hooligans akzeptiert die Fan-Projekt-Mitarbeiter/-innen, hat zu ihnen Vertrauen. Dabei sind für viele für ihr Verhältnis zu den Sozialarbeitern vor allem persönliche Beziehungen auf Vertrauensbasis bestimmend sind. Einzelfallhilfe, sowohl bezüglich Schuldnerberatung, als auch bei Problemen in der Familie, Schule, am Arbeitsplatz oder mit der Polizei/Justiz ist eine zeitintensive, aber auch sehr wichtige, vertrauensweckende Aufgabe geworden. Die unterschiedlichen Informationen der Fan-Projekte, Fan-Projektzines haben sich als ein wichtiges Bindeglied zwischen Fan-Projekt und Fans herausgebildet, in der nicht nur über Aktivitäten des Fan-Projektes berichtet wird, sondern die auch intensiv für den Transport von durchaus auch pädagogischen Anliegen (im Sinne der ‘kulturellen Animation’) sowohl von den Fans selbst, als auch von den Mitarbeiter/-innen des Fan-Projektes genutzt werden. Die Fan-Projekt-Mitarbeiter/-innen sind zu wichtigen Gesprächspartnern und Ratgebern für Politik, Polizei, internationale wie nationale Verbände, für Vereine und Kommunen, wie für die Medien geworden, deren Sach- und Fachkompetenz mittlerweile unbestritten ist. In wieweit die Eindämmung der Gewalt, der Abbau extremistischer Orientierungen gelungen ist, lässt sich nur sehr schwer beantworten, um so mehr, als Gewalt und extremistische Orientierungen auch Antworten auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Problemfelder sind, die von den Fan-Projekten kaum beeinflussbar sind. Gerade bezüglich extremistischer Orientierungen werden in den letzten Jahren von den Fan-Projekten eine Zunahme rechter Gesinnungen registriert, gegen die sie zwar engagiert angehen, an deren Bekämpfung und Korrektur sie sich jedoch zur Zeit noch die Zähne ausbeißen. Was gelungen ist, ist die Steigerung von Selbstwertgefühl und Verhaltenssicherheit bei jugendlichen Fußballanhängern, die Stabilisierung von Gleichaltrigengruppen durch engagiertes Eintreten für deren Bedürfnisse (z.B. auch Erhalt von Stehplatzbereichen in den Stadien). Die wachsende gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit der Fan-Projekte hat auch vermehrt zu einem Klima geführt, das gesellschaftliche Institutionen zu mehr Engagement für Jugendliche bewegt. Die Rückbindung der jugendlichen Fußballanhänger an ihre Vereine ist überall dort gelungen, wo sich nicht nur die Fan-Projekt-Mitarbeiter/-innen intensiv darum bemühten, sondern auch die Vereine selbst sich verstärkt um ihre Fans und deren Interessen und Bedürfnisse bemühten. Dennoch gibt es natürlich auch Defizite, Schwachstellen- und Problembereiche, die es gezielt anzugehen gilt, gibt es Fan-Projekte, die besser und Fan-Projekte die weniger gut arbeiten, ja vielleicht auch das eine oder andere, das nur peripher, wenn überhaupt, den im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit formulierten Anforderungen gerecht zu werden vermag. In dem Abschlußbericht des Forschungsprojektes „Hooliganismus in Deutschland: Ursachen, Entwicklung, Prävention und Intervention“ der Forschergruppe um den Erlanger Psychologen und Gewaltforscher Friedrich LÖSEL (BLIESENER/FISCHER/LÖSEL/ PABST 2000) werden diese Schwachstellen auch zu Recht offengelegt. Hier ist u.a. die Koordinationsstelle der Fan-Projekte im Sinne der Qualitätskontrolle und -entwicklung gefordert. Der Erfolg der Arbeit kann nicht allein an Hand Zahl der existierenden und neu gegründeten Fan-Projekte gemessen werden, sondern muss auch die Qualität der Arbeit der Fan-Projekte berücksichtigen. Die Schlussfolgerungen, die die Erlanger Forschergruppe allerdings aus der Erkenntnis heraus zieht, dass manche Sozialarbeiter wenig mit Fußball am Hut haben, „dem Fußball z.T. distanziert gegenüberstünden“, „nur selten die Sprache der Fans sprächen“ und „somit nur schwer Kontakt zur Fan- aber auch zur Hooliganszene fänden“ halte ich nicht nur sehr falsch, sondern für unverständlich und höchst gefährlich. Projekte wie „Fans für Fans“ (verstärkte Integration von Fans und ehemaligen Hooligans in die sozialtherapeutisch ausgerichtete Arbeit von Fan-Projekten) und die Aufgabe der sozialpädagogischen Ausrichtung von Fan-Projekten als Voraussetzung für die Mittelvergabe aus der Drittmittelfinanzierung zu fordern hieße doch mangelnde Professionalität von einzelnen Sozialarbeiter/innen durch die Aufgabe der Forderung nach qualifizierten Mitarbeitern zu beantworten, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Hier kann es doch nur darum gehen durch ein beharrliches Einfordern dieser Professionalität, durch Evaluation der Fan-Projektarbeit, wie sie im Nationalen Konzept in Form der wissenschaftlichen Begleitung, des Beirates und der Kooperation mit dem örtlichen Ausschuss Sport und Sicherheit ja auch vorgesehen ist, durch Qualitätskontrolle und –sicherung der Fan-Projektarbeit die beschriebenen Defizite zu beheben. Die im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit zu Recht geforderten hohen berufsfeldspezifischen Anforderungen, der dort formulierte hohe Anspruch an die (sozial-)pädagogische und sportliche Qualifikation der Fanprojekt-Mitarbeiter/-innen dürfen nicht aufgeweicht werden, sondern müssen verstärkt eingefordert und sichergestellt werden.

Quelle: http://www.kos-fanprojekte.de

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