HFC-Zugänge 25/26: Wer in Halle wirklich ankam
Der Hallesche FC ging mit dem klaren Ziel Aufstieg in die Saison 2025/26 und beendete sie auf Tabellenplatzvier. Damit ist die sportliche Bewertung vorgegeben: Wer den Sprung in die 3. Liga schaffen will und ihn verpasst, muss sich die Frage gefallen lassen, ob die Kaderplanung gut genug war. Zehn Neuzugänge holte der HFC im Sommer, dazu kam Leihspieler Lucas Ehrlich. An den eigenen Ansprüchen gemessen fällt die Transferbilanz ernüchternd aus. Grundlage der folgenden Auswertung sind die Leistungsdaten der Regionalliga Nordost 2025/26 mit allen 34 Spieltagen.
Der einzige Zugang, der ohne Einschränkung überzeugte, war Pascal Schmedemann. Der Innenverteidiger kam auf 25 Ligaspiele und 2.167 Minuten – Höchstwert unter allen Neuen. Tore steuerte er als Verteidiger keine bei, dafür drei Vorlagen und vor allem Stabilität. Eine Innenbandverletzung kostete ihn rund sechs Spiele im Herbst, ansonsten war er gesetzt, anfangs als Innenverteidiger, in der Rückrunde häufig als Linksverteidiger. Schmedemann war die Verstärkung, die der Verein sich von einem Sommertransfer erhofft: sofort einsatzbereit, verlässlich, ein Gewinn für die Mannschaft.
Schwieriger fällt das Urteil über Malek Fakhro aus. Der Mittelstürmer kam vom Drittliga-Aufsteiger MSV Duisburg und sollte als gestandener Angreifer den Unterschied machen – der Königstransfer des Sommers. Eingesetzt wurde er reichlich: 32 Ligaspiele, 1.870 Minuten, dazu 35 Pflichtspiele über alle Wettbewerbe. Doch sieben Saisontore sind für einen Stürmer dieses Anspruchs und bei dieser Einsatzzeit zu wenig, erst recht für eine Mannschaft mit Aufstiegsambitionen. Fakhro war kein zentraler Baustein, sondern blieb hinter den Erwartungen zurück – im Rückblick eher ein Missverständnis als ein Volltreffer. Dass er den Verein nun nach nur einem Jahr Richtung 1. FC Bocholt verlässt, bestätigt diesen Eindruck.
Dass es auch anders geht, zeigte Bocar Baró. Der Mittelstürmer kam vom FC Hertha 03 Zehlendorf und erzielte zehn Ligatore – bei lediglich 937 Spielminuten in 24 Einsätzen. Rechnerisch traf Baró alle 94 Minuten und war damit die mit Abstand effizienteste Offensivkraft im Kader. Genau hier liegt eine der unbeantworteten Fragen dieser Saison: Ein Spieler mit dieser Quote stand lange überwiegend nur als Joker mit Kurzeinsätzen auf dem Platz, während der weniger treffsichere Fakhro durchspielte. Erst gegen Saisonende trumpfte Baró groß auf, unter anderem mit vier Treffern am letzten Spieltag in Eilenburg. Zwei Gelb-Rote Sperren und eine Muskelverletzung im April unterbrachen seine Saison. Über alle Wettbewerbe stehen zwölf Tore in 27 Spielen.
Die meisten direkten Torbeteiligungen sammelte Julien Damelang. Der Rechtsaußen vom FC Viktoria 1889 Berlin kam auf 30 Ligaspiele, vier Tore und sechs Vorlagen. Bei 1.434 Minuten lag sein Schnitt bei rund 48 Minuten pro Einsatz – ein Spieler, der oft auf dem Platz stand, aber selten durchspielte. Eine Sehnenreizung bremste ihn im September. Für einen ablösefreien Zugang ist seine Ausbeute brauchbar, herausragend war sie nicht.
Einen klar zweigeteilten Verlauf nahm die Saison von Fatlum Elezi. Der zentrale Mittelfeldspieler von Sportfreunde Lotte war bis zur Winterpause fast durchgehend Stammkraft mit vielen kompletten Einsätzen. In der Rückrunde fiel er jedoch deutlich ab, verlor seinen Platz und stand zum Saisonende mehrfach gar nicht im Kader. Am Ende standen 24 Ligaspiele, zwei Tore, zwei Vorlagen und 1.689 Minuten. Gerade in der entscheidenden Saisonphase, in der der HFC den Aufstieg hätte festmachen müssen, war auf Elezi kein Verlass mehr.
Solide, aber ohne große Strahlkraft blieben die übrigen Zugänge. Felix Langhammer, mit 19 Jahren von der U19 des VfL Osnabrück gekommen, erarbeitete sich als Linksverteidiger 17 Ligaspiele, zwei Vorlagen und 957 Minuten, unterbrochen von einer Kahnbein-Operation nach dem 18. Spieltag. Für einen Spieler im ersten Herrenjahr ist das ordentlich. Lennard Becker, im September vereinslos verpflichtet, wurde im defensiven Mittelfeld zum Rotationsspieler mit 18 Ligaspielen und 735 Minuten, überwiegend als Einwechselspieler. Beides sind Zugänge, die ihren Zweck als Kaderbreite erfüllten, aber keine Verstärkungen, die ein Aufstiegsrennen entscheiden.
Kaum eine Rolle spielten die letzten drei Namen. Innenverteidiger Vin Kastull, aus der zweiten Mannschaft von Greuther Fürth gekommen, brachte es zwar auf 16 Ligaeinsätze, davon waren aber die meisten Kurzeinsätze von ein bis drei Minuten – unterm Strich nur 375 Minuten. Leihspieler Lucas Ehrlich vom FC Augsburg II blieb mit 19 Einsätzen und 500 Minuten ebenfalls Randfigur, immerhin mit vier Toren im Sachsen-Anhalt-Pokal. Torwart Jean-Marie Plath vom FC Eilenburg kam in keinem Wettbewerb zu einem Pflichtspieleinsatz.
Das Fazit fällt entsprechend kritisch aus. Wer aufsteigen will und vierter wird, hat sein Saisonziel verfehlt, und die Transferbilanz trägt daran ihren Anteil. Von zehn Neuzugängen konnte mit Pascal Schmedemann nur einer wirklich überzeugen. Der prominenteste Zugang Fakhro blieb deutlich unter seinen Möglichkeiten, Elezi enttäuschte in der entscheidenden Saisonphase, mehrere Verpflichtungen kamen über Ergänzungsstatus nicht hinaus. Dass mit Baró ausgerechnet der effizienteste Angreifer lange zu wenig Einsatzzeit bekam, wirft zusätzliche Fragen auf. Für den kommenden Sommer heißt das vor allem eines: Der HFC muss bei der Kaderplanung treffsicherer werden, als er es zuletzt war.
